Juni 2027: Seminartage sind Donnerstag & Freitag
Was geschieht in unserem Körper, wenn Stress, Angst und Überforderung so groß werden, dass Denken, Sprechen oder soziales Handeln plötzlich kaum noch möglich sind? Warum reagieren manche Kinder mit Rückzug oder Erstarrung – und was brauchen sie von den Menschen, die sie therapeutisch oder pädagogisch begleiten?
Am Beispiel des selektiven Mutismus eröffnet dieses Seminar einen ganzheitlichen Blick auf kindliches Verhalten und Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen vier miteinander verbundene Themenbereiche: das autonome Nervensystem und die Regulation von Stress, das Störungsbild des selektiven Mutismus, die Bedeutung früher Bindungserfahrungen sowie die Rolle des kindlichen Spiels.
Zu Beginn beschäftigen wir uns mit Aufbau und Funktionsweise des autonomen Nervensystems und der Frage, wie unterschiedliche Zustände von Sicherheit, Aktivierung und Überforderung unser Denken, Fühlen, Verhalten und unsere Fähigkeit zur sozialen Interaktion beeinflussen. Die Polyvagaltheorie bietet dabei ein Modell, um Stressreaktionen besser einordnen und Möglichkeiten der Regulation ableiten zu können.
Darauf aufbauend wird der selektive Mutismus näher betrachtet. Neben Grundlagen und Erscheinungsbild geht es um therapeutische Zugänge nach DortMuT und um die Frage, wie schweigende Kinder feinfühlig begleitet werden können, ohne zusätzlichen Sprech- und Leistungsdruck entstehen zu lassen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bindungstheorie. Frühe Beziehungserfahrungen prägen, wie Kinder Sicherheit herstellen, Nähe gestalten und mit Belastungen umgehen. Dieses Wissen ermöglicht einen differenzierteren Blick auf Verhaltensweisen, die im therapeutischen oder pädagogischen Alltag zunächst schwer verständlich erscheinen können.
Abschließend richtet sich der Blick auf das kindliche Spiel. Spiel ist ein zentraler Bestandteil kindlicher Entwicklung und bietet zugleich einen besonderen Zugang zu Beziehung, Kommunikation und emotionaler Regulation. Bindungsorientiertes Spiel kann dabei helfen, Sicherheit und Verbindung entstehen zu lassen.
Das Seminar verbindet theoretisches Wissen mit Fallbeispielen, Videos, Übungen, Selbsterfahrung und gemeinsamer Reflexion. Ziel ist es, kindliches Verhalten nicht vorschnell zu bewerten, sondern seine möglichen Hintergründe besser zu verstehen und daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten für die therapeutische und pädagogische Praxis abzuleiten.